Bewertung
Diese Regenhose ist mehr auf niedriges Gewicht und Packmaß als auf höchste Stabilität getrimmt. Aber die beste Regenkleidung ist in erster Linie die, die man auch dabei hat. Und eine so kleine und leichte Hose, sollte stets im Rucksack noch einen Platz finden. Zudem lässt sie sich fabelhaft als Windhose einsetzen. Ich habe sie bisher auf einer mehrtägigen Bikepackingtour an die Ostsee und auf einer einwöchigen Wander- und Paddeltour in Schweden, bei Wind, Regen und Hagel und Temperaturen zwischen -5 und 15 °C getestet und bin absolut überrascht, was diese Hose leisten kann.


Passform
Ich bin 1.87 m groß mit einer Schrittlänge von 87 cm und einem Hüftumfang von 87 cm. Die Hose, die ich für diesen Artikel getestet habe, ist in Größe L (Beine: 31‘‘ / 79 cm).
In dieser Größe kann ich sie bequem als Überziehhose nutzen, selbst wenn ich eine lange oder sogar gefütterte Hose darunter trage. Zudem sind die Hosenbeine so weit, dass ich beim Anziehen mit flachen Barfußschuhen nicht einmal die Reisverschlüsse seitlich öffnen, geschweige denn die Schuhe ausziehen muss. Mit größeren Hikingstiefeln lässt sie sich dank der Seitenreisverschlüsse ebenso problemlos und schnell überziehen. Zudem reicht sie bis über die Knöchel, sodass Garmaschen nicht einmal zwingend erforderlich sein dürften, um das herablaufende Wasser aus den Schuhen heraus zu halten.
Der Schnitt ist weit und gemütlich. Zwar flattert sie etwas weniger aerodynamisch im Wind, dafür lässt sie sich über jede Art Hose bequem drüberziehen. In meiner Bewegungsfreiheit fühle ich mich in der Hose nicht wirklich eingeschränkt. Den Schnitt halte ich daher für sehr gelungen.
Der Verschluss ist großartig, hält und ist bequem. Genauer gesagt besteht er aus einem elastischen Hosenbund mit ordentlich Spannung, der in der hinteren Hälfte zusätzlich über ein in der Länge verstellbares elastisches Band verfügt. Für mich reicht die Mindestspannung des Hosenbundes völlig aus. Gerade auch, weil die Hose nicht viel wiegt und über keine beladbaren Taschen verfügt.




Features
2.5 Lagen Membran: Um die Membran zu schützen wurde sie mit einer Außenschicht aus Ripstop Nylon und einer dünnen Innenschicht zu einem Stoff laminiert. Dieses Material verkratet so einiges.
Tape: Die Nähte sind alle abgetapet um jegliches Eindringen von Wasser zu unterbinden. Dadurch erscheinen sie zudem äußerst robust zu sein.
Seitenreisverschluss: Die wasserdichten YKK-Reisverschlüsse mit Abdeckleiste erleichtern das Anziehen. Ich führe die Hose daher mit schon geöfneten Reisverschlüssen mit und schließe diese erst nach dem Anlegen.
Lüftung: Der 2-Wege-Reisverschluss kann von der Mitte des Oberschenkels nach unten geöffnet werden, um frische Luft einströmen zu lassen. Wird die Lüftung komplett geöffnet, so hält ein Sun-Grip-Japan-Druckknopf unterm Knie die Hose seitlich zusammen. Jedoch beginnen sie für meinen Geschmack etwas zu niedrig. Klar könnte ein etwas höher angesetzter Reisverschluss eventuell unter dem Hüftgurt des Rucksackes drücken, jedoch könnte mann die Lütung dann auch nutzen, um auf die darunter liegenden Hosentaschen zuzugreifen.
Beinabschluss: Der Abschluss lässt sich über zwei Sun-Grip-Japan-Druckknöpfe in der Weite verstellen, was zudem den Reisverschluss entlastet und schont.
Packbeutel: Der kleine Netzbeutel verfügt über ein einhändig bedienbares elastisches Band, das zum verschließen durch einen am Beutel befestigten Stopper gezogen wird.






Gore-Tex
Seit W. L. Gore & Associates 1976 die erste Membran für Funktionskleidung auf den Markt brachte, hat sich Gore-Tex zu einem Feststehenden Begriff für Regenbekleidung im Outdoorbereich entwickelt.
In dieser Regenhose wurde eine solche mikroporöse Membran aus gerecktem Polytetrafluorethen (ePTFE) verbaut. Die Membran hat pro Quadratzentimeter 1.3 Milliarden Poren, die nur den 20.000stel eines Wassertropfens, jedoch 770-mal so groß wie ein Wassermolekül sind. Dadurch ist sie winddicht und wasserdicht, kann jedoch Wasserdampf hindurch lassen.
Wobei diese Atmungsaktivität nicht mit der von Softshellmaterialien zu vergleich ist. Bei großer Anstrengung kann sich schnell mal Wärme und Schweiß unter der Bekleidung anstauen, was die eigentliche Funktion nämlich das Trockenhalten des Körpers obsolet macht. Die Berghaus Paclite schneidet hier aber sehr gut ab.




Daten
Wasserdichte: 28 000 mm
Gewicht: L 200 g (Herstellerangabe L/31)
Gewicht: L 225 g (selbst nachgewogen)
Packmaß: 15 x 7 cm, 0.58 L (h x d, selbst ermittelt)
Netzbeutel: 10 g, 0.6 L (selbst ermittelt)
Material: Ripstop Nylon mit Gore-Tex Membran
Verschlüsse am Bein von: YKK, Sun Grip Japan
Größen: XS – XXXL (je short, regular, long)
Farben: schwarz
Garantie: lebenslang


Integration ins Bekleidungssystem
Warum nicht mal die Regenbekleidung fest in das Bekleidungssystem integrieren und so Gewicht und Packmaß sparen?
Auf meinen Bikepackingtouren im Februar, März und April war es tagsüber mit sonnigen 10 bis 15 Grad schon recht warm, gerade wenn ich ordentlich Strecke machen wollte und Nacht mit 0 bis 5 Grat ziemlich kalt. Ich hätte also eine kurze Hose zum Fahren, eine lange für morgens und abends im Camp und noch eine Regenhose für den Fall der Fälle gebraucht. Da aber nicht nur das Zusatzgewicht, sondern vor allem das Packmaß bei meinen mehrtägigen Rennradtour mit insgesamt nur 30 L Taschenvolumen entscheidend war, kam das gar nicht in die Tüte. Ein Allroundkleidungssystem musste her.
Ich habe letztlich meine Regenbekleidung, die ich so oder so mitnehmen wollte, mit anderen Teilen kombiniert, so dass ich nichts doppelt dabei hatte. Meine lange Unterhose aus Merinowolle wärmt im Camp und ist auf dem Rad nicht zu warm. Sie spielte also die regulierende Rolle als Grundlage für ein System zwischen zwei Welten. Zusammen mit einer leichten und schnelltrocknenden kurzen Hose darüber war sie für tags über nicht zu viel. Wenn es aber zu kalt und vor allem windig und/oder nass wurde kam die Regenhose drüber. Dadurch, dass sie absolut winddicht ist, kann die dünne Woll- und Softshellschicht die Wärme viel besser am Körper halten. Genau so habe ich es auch mit der Oberbekleidung gehalten. ein leichtes dünnen Shirt mit dem OR Ferossi Windshirt darüber fürs Fahren, eine Fleece- und eine dünne Daunenjacke fürs Camp und die wind- und regendichte OR Helium II Jacke als schützende Außenschicht.
Genau so würde ich mein Kleidungssystem für eine UL-Wandertour oder ähnliches anlegen. Nichts, wo die Bekleidung besonders robust sein muss und der Luxus des Minimalistischen voll und ganz zu genießen ist.




Vergleich mit Regenrock
Zur klassischen Regenhose gibt es tatsächlich eine brauchbare Alternative. Und so wenig bekannt der Regen-Rock oder Regen-Kilt in Europa noch ist, so genial ist er auch. Schnell und unkompliziert umgelegt leitet er das herablaufende Wasser von der Jacke je nach Länge auf die Gamaschen oder die Schuhe ab und hält so Hüfte und Beine Trocken, ohne dass sich unter ihm zu viel Wärme aufstaut. Wer schon einmal unter seiner Regenhose so sehr geschwitzt hat, dass er trotzdem völlig nass wurde, weiß was damit gemeint ist.
Doch hat auch ein Regenrock seine Grenzen. Wenn bei starkem Wind die Regenbekleidung als Windschutz benötigt wird, oder wie beispielsweise beim Radfahren völlige Bewegungsfreiheit gefragt ist, so kommt er nicht in Frage. Eine Regenhose bietet sich daher vielleicht nicht optimal für einfache Wanderungen, dafür aber für etwas forderndere Bedingungen, wie Wintertouren, Bergtouren bei schlechtem Wetter, Fahrradtouren usw. an.
Zudem sind bei der Verwendung eines Regenrocks Gamaschen ratsam. Es sei denn die Schuhe sind leicht wieder zu trocknen. Denn wenn der Bergstiefel erst einmal vollgelaufen ist, bringen auch die trockenen Beine nichts mehr. Ich werde daher vorerst die Regenjacke mit einer Regenhose kombinieren und nur bei Schnee zusätzliche Gamaschen nutzen. Den Regenrock von Ultra Elements behalte ich aber weiter im Auge und hoffe ihn oder einen ähnlichen auch einmal testen und mit dieser Hose direkt vergleichen zu können.


Resümee
Die Berghaus Paclite Hose hat mich sehr beeindruckt. Sie ist nicht nur schön klein und leicht, hält wie versprochen wasserdicht und ist bequem zu tragen. Sie lässt sich auch sehr einfach und schnell überziehen, schützt vor Wind und hält dadurch zusätzlich warm und hält erstaunlich viel aus. Als ich beim Klettern von einem Kanu aus über einen durch einen Bieber gefällten Baum fast in den Fluss viel, hätte ich schwören können, dass die Hose jetzt einen Riss hat. Doch außer Moos- und Rindenabrieb ließ sich da nichts finden.
Damit hat die Hose endgültig ihren Weg in mein Set an Regenbekleidung gefunden. Mit der OR Helium II Jacke und den Trekmates Pioneer Gamaschen wiegt und misst diese jetzt insgesamt 500 g und 1.5 L. Und wer wie ich auf ultraleicht und kompakt steht, der sollte auch immer eine Reparaturmöglichkeit griffbereit haben. Ich empfehle für relativ glatte Hardshellbekleidung das Gear Aid Tenacious Tape. Dieses gibt es in matt farblos und es verschweißt bombenfest mit dem Bekleidungsmaterial. Zu kleinen Patches mit abgerundeten Ecken in verschiedenen Größen vorgeschnitten, kann es einem auf einer auch mal etwas raueren Tour die Klamotte retten. Und solange die dicht bleibt, seid ihr schon mal aus dem gröbsten raus.


















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