Bewertung
Zu Scarpa
Scarpa ist ein Italienischer Hersteller von Outdoor Ausrüstung und Bekleidung, gegründet 1938. Das besondere an Scarpa ist, dass sich das Unternehmen ihrem eigenen “Green Manifesto” verschreibt. 90% der Herstellung und der Materialbeschaffung findet in Europa statt und zwar unter strengen Regularien. Scarpa versucht langlebige Produkte herzustellen und sie haben sogar einen zu 100% biologisch abbaubaren Schuh im Sortiment.


Erster Eindruck:
Der Schuh ist sehr gut verarbeitet und die Farben sind sehr angenehm. Auffällig ist das flexible Obermaterial und die gebogene und recht hohe Sohle, welche in der Realität ausgeprägter als auf Bildern ist und eher an einen orthopädischen Schuh erinnert. Das 4 mm tiefe Profil suggeriert guten halt auch auf unbefestigten Wegen. Der interessanteste Punkt für mich ist aber ganz klar die Sockenkonstruktion des Golden Gate.




Passform:
Für die Entscheidung welche Größe ich nehme, nahm ich die Größentabelle von Scarpa zur Hilfe. Ich orientierte mich an den Zentimeterangaben, so wie ich es bei anderen Laufschuhen vorher auch immer gemacht habe. Leider musste ich dann beim ersten Anprobieren feststellen, das der Schuh sehr eng, aber auch sehr flach geschnitten ist. Die Länge war für mich ok, aber der Druck auf den Spann war sehr unangenehm. Ich probierte den Schuh sogar nochmal ohne Innensohle, es wurde zwar besser, war aber weiterhin zu eng. Ich entschied mich dann für eine ganze Größe größer (den Schuh gibt es auch in halben Größen) und hier passte alles. Das Obermaterial schmiegt sich wie eine Socke förmlich an den Fuß an, ohne ihn einzuengen, was sehr angenehm ist. Auch wenn ich recht schmale Füße habe, ist die Zehenbox ziemlich eng. Hier würde ich mir mehr Platz wünschen.


Beim Laufen:
Der Golden Gate ATR wird von Scarpa als Alleskönner „vom Asphalt bis zum Trail“ beschrieben, was für mich gelegen kommt, da mein Lieblingstrail ca. 7km entfernt von meiner Wohnung startet und dazwischen ca. 6km Asphalt, 500m Trail und 500m Kiesweg liegen. Also so gesehen der ideale Schuh für meine Ansprüche.
Mein erster Test fiel aber in meinen Urlaub, so musste ich erst einmal mit Asphalt und viel Kieswegen (Weg für Spaziergänger) vorlieb nehmen. Es regnete viel, es gab viele Pfützen – somit also eine Situation mit der ein Schuh für Trailer klar kommen sollte. Das dünne Obermaterial war natürlich nach wenigen Pfützen durchnässt, was ich allerdings auch nicht anders erwartet habe. Positiv zu erwähnen ist hier, dass ich nicht das Gefühl hatte, dass der Schuh darüber auch mit Wasser voll wurde. Das eingetretene Wasser ist auch wieder entsprechend schnell aus dem Schuh gelaufen.
Allerdings sammelte sich erstaunlich schnell sehr viel Dreck und kleine Steine in den Schuhen. Nach guten 10 km beendete ich den ersten Testlauf und war überrascht, wie viel Schlamm sind in den Schuhen angesammelt hat. Ich ging davon aus, dass die sockenartige Konstruktion des Einstieges so eng anliegt, das eigentlich keine Steine und Dreck in den Schuh gelangen.
Nun dachte ich, dass es eventuell daran lag, das meine Laufsocken zu hoch waren und es besser wäre, wenn der Einstieg des Schuhs direkt auf der Haut anliegt.
Für meinen nächsten Lauf wählte ich wesentlich kürzere Socken und machte mich auf den Weg zu meinem bereits erwähnten Lieblingstrail, der 7km entfernt liegt. Leider war es mir nicht möglich mehr als 2,5 km ohne Stopp einzulegen, da immer wieder Steine in den Schuh gelangten, sobald ich unbefestigte Wege betrat. Wie auf den Fotos zu sehen, liegt der Einstieg nicht am Fußgelenk an, es bilden sich “Taschen” in denen Dreck und Steine fallen können und auch bleiben. Bei herkömmlichen Schuhen mit konventionellem Einstieg kann ein Stein auch schnell mal wieder herausfallen oder landet auf dem Rand des Schuhs, hier aber bleibt der Dreck oder Stein im Schuh, da er wie gesagt in eine Art tiefe “Tasche” fällt. Zudem musste ich nach 5km feststellen, dass meine Füße von der Oberkante des Einstieges der Schuhe an der Achillessehne von einer Naht aufgerieben werden. Nach 6km entschied ich mich meinen geplanten 22km Lauf abzubrechen und auf kürzestem Weg zurück zu kommen. Leider waren dies noch 5km, was dazu führte, das mein Fuß offen war und ich einen der Schuhe voll blutete. (Das Foto zeigt nur die Stelle am Fuß, als es anfing zu Bluten, wenig später sah es dann schon wesentlich schlimmer aus, aber ich denke das Bild reicht aus)



Nun nehme ich seit 8 Jahren an Hindernisläufen jeglicher Art teil, bei denen es wirklich durch Dreck geht und da ist man es gewohnt auch viel Schlamm, Steine und Co. in den Schuhen zu haben, daher bin ich in der Hinsicht sicherlich nicht zimperlich. Aber ich bin noch nie einen Schuh gelaufen, in dem sich derart viele Fremdkörper ansammeln, ohne einen Trail oder ähnliches erreicht zu haben.
Meine Schlussfolgerung daraus war für mich, den Schuh nicht weiter auf unbefestigten Wegen zu nutzen und diese, sofern möglich, zu umgehen und mich mit diesen Schuhen nur noch dem Asphalt zu widmen.
Auf Asphalt bietet der Schuh guten Grip und dank der dicken Sohle und der Dämpfung läuft man sehr angenehm. Aufgrund der gebogenen Sohle kann man sehr gut mit dem Schuh abrollen, sofern man Fersenläufer ist. Ich laufe auf dem Vorderfuß, weshalb ich mit dieser Biegung nicht gut klar gekommen bin. Zwar kann man schon auf dem Vorderfuß laufen, durch die Biegung fühlt es sich sehr unnatürlich an und man spürt, das dieser Schuh dafür nicht gemacht wurde. Da sich hier die Konstruktion mit meinem persönlichen Laufstil beißt, möchte ich das aber außer Wertung lassen.
Allerdings muss ich sagen, sobald es abwärts geht, macht der Schuh richtig Spaß. Hier kann man das Potential der Sohlenform richtig nutzen und abrollen und es fühlt sich gut an. Geht es allerdings aufwärts, ist es das absolute Gegenteil. Ungeachtet des Laufstils lehnt man sich beim Aufwärts-Laufen nach vorne und belastet Fußballen und Zehen. Durch die Sohle muss man sich allerdings sehr weit nach vorne lehnen, um den Bereich zu belasten. Man kommt eher immer mit dem Mittelfuß auf und wird dann vom Schuh gezwungen bergauf abzurollen. Das ist nicht nur sehr anstrengend, sondern auch ineffizient. Selbst leichte Steigungen empfand ich als ungewöhnlich anstrengend. Wurde es mal etwas steiler, hatte ich beinahe das Gefühl, jemand würde mich zurückziehen. Da ich so etwas bisher noch nicht erlebt hatte, zweifelte ich erst an mir, mag ja sein, dass ich an diesem Tag nur in keiner guten Verfassung war. Allerdings ist mir dies bei mehreren Läufen aufgefallen. Zudem bin ich als Vergleich dann nochmal mit meinen aktuellen Laufschuhen los und habe diesen Effekt beim Hinauflaufen nicht bemerkt.


Das 4mm-tiefe Profil gibt definitiv guten Halt auf trockenem Waldboden, Asphalt und auch unbefestigten Wegen. Auch bei Regen und Feuchtigkeit sorgt die Sohle für guten Halt, lediglich auf dem kurzen Stück Trail, das ich gelaufen bin, musste ich durch Matsch und über Wurzeln. Hier bin ich von Sohlen mit gleicher Profiltiefe von anderen Herstellern mehr Halt und Kontrolle gewohnt. Zudem empfinde ich die Höhe der Sohle für Trails als zu hoch. Durch die Höhe fühlt sich der Schuh weniger stabil und sicher an. Zudem spürt man nur noch wenig vom Untergrund, auf dem man läuft.

Nachdem ich nun mit den Schuhen beim Laufen nicht allzu zufrieden war, probierte ich noch die Schuhe fürs Wandern aus. Hier muss ich sagen, dass mir der Schuh und auch die Biegung der Sohle sehr gut gefallen hat, allerdings würde ich den Schuh nur für Tagestouren bei gutem Wetter und leichtgängigen Wegen nutzen.
Weiterhin Positiv ist mir aufgefallen, dass der Schuh sich im Gegensatz zu all meinen bisherigen Laufschuhen sehr einfach öffnen lässt. Man muss nicht ewig an den Schnürsenkeln herumziehen bis man aus dem Schuh heraus kommt. Hier und da ein wenig gezogen und man kommt nach dem Training schnell und unbeschwert aus dem Schuh heraus.

Fazit:
Der Scarpa Golden Gate ATR wird als Alleskönner für jegliches Gelände beworben. Leider kann ich dies nicht so bestätigen. Auf unbefestigten Wegen und bei schlechtem Wetter, sammelt sich aufgrund des sockenartigen Einstiegs erstaunlich viel Dreck in den Schuhen. Auf Asphalt hingegen ist die Dämpfung sehr angenehm und hier gibt es in der Regel auch keine Probleme mit Fremdkörpern im Schuh. Die Konstruktion der Sohle bzw. die Biegung lässt leider wenig Freiraum für unterschiedliche Laufstile. Der Schuh ist definitiv für Fersenläufer gedacht. Zudem ist diese Art der Sohle doch recht gewöhnungsbedürftig und sorgt beim Hinauflaufen von Steigungen für mehr Anstrengung, wofür ich einen halben Stern abziehe. Außerdem geht durch die Dicke der Sohle und die hohe Dämpfung auch das Gefühl für den Untergrund auf dem man läuft verloren und da man recht hoch in dem Schuh fühlt es sich gerade auf unbefestigten Wegen etwas instabil an. Während meines Tests musste ich ab einem gewissen Punkt nur noch aus Asphalt laufen. Immer wieder Steine und Schmutz aus den Schuhen zu sammeln nahm mir die Lust ins Gelände zugehen, wofür ich einen Stern abziehe. Und davon abgesehen, das durch den sockenartigen Einstieg viele Steine und Co. in den Schuh gelangen, befindet sich auch noch eine Naht genau an der Achillessehne, die bei zu kurzen Socken den Fuß auf reibt, weshalb ich ebenfalls noch einen halben Stern abziehe. Ich würde den Scarpa Goden Gate ATR ausschließlich für Asphalt Läufer empfehlen, die beim Laufen über die Ferse abrollen und keine Mittel- bzw. Vorderfußläufer sind.

















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