Bewertung
WARUM DEN SCARPA RUSH?

Der Scarpa Rush ist gerade erst neu erschienen und lässt sich in die Kategorie Cross-Trail (Hike & Running) einsortieren. Ein Cross-Trail-Schuh soll die sportliche Agilität eines Running-Schuhs und die Stabilität sowie den Komfort eines Wanderschuhs in sich vereinen und eine perfekte Komposition aus den Vorteilen beider Genres in sich vereinen. Der Rush leistet laut Scarpa genau das: „Einsetzbar in den Bereichen Walking, Hiking und Running – der Rush ist ein sehr vielseitiger Schuh und bietet Schutz in jedem Gelände.“ Aha also Trail-Running, oder? Nicht ganz, wer den Rush mit einem typischen Trail-Running-Schuh vergleicht, merkt schnell ein echter Trail-Running-Schuh ist deutlich minimalistischer und bietet den Hardcord-Bergziegen unter den Läufern letztendlich kaum mehr als eine ordentlich profilierte Sohle für raues Gelände. Der Rush hingegen ist deutlich stabiler konstruiert mit seinen Verstärkungen. Scarpa hat erkannt, dass zwischen den Trailrunnern und den Wanderschuhen ein großer weißer Fleck auf der Schuhlandkarte existiert. Der Schuh ist für alle interessant, welche die eierlegende Wollmilchsau unter den Outdoor-Schuhen suchen und sich nicht festlegen können, ob sie zur Wander- oder Running-OUTSIDEstory aufbrechen möchten und auch öfters ein straffes Tempo gehen möchten.
WAS BIETET DER SCHUH?

Um aus einem Running-Schuh einen Cross-Trail zu machen, wurde der Rush nur dort mit Verstärkungen versehen wo es Sinn macht und es trotzdem ein geschmeidiges und flüssiges Abrollen nicht zu behindert.

So besitzt er unter anderem eine Zehenschutzkappe. Versehen mit der von Scarpa patentierten Sock-Fit Passform und dem strechtigen Futter wird seine Herkunft aus dem Trailrunning-Bereich betont.
Sock-Fit (Quelle: https://www.scarpa-schuhe.de/ueber-uns):„Gibt es einen Schuh, der passt wie eine Socke? Bevor wir lange suchen, haben wir ihn einfach selbst erfunden. Die patentierte Sock-Fit-Technologie von SCARPA setzt neue Maßstäbe hinsichtlich Performance, Agilität und Komfort. Eine echte Geh-volution: Flexible Stretch-Inserts anstelle der Zunge und der Gamaschen lassen dich eins werden mit deinem Schuh. Atmungsaktiv, wasserresistent und robust.“

Die gut profilierte Laufsohle mit dem Interactive Kinectic System bringt Halt in jedem Gelände und sorgt für gute Dämpfung. Sie ist aus zwei unterschiedlichen EVA Dämpfungseinlagen aufgebaut. Durch das atmungsaktive Mesh – Obermaterial wird ein angenehmes Fußklima gewährleistet. Es ist zusätzlich an den Seiten mit PU-Streifen verstärkt wird.

Für Damen gibt es den speziellen Scarpa Rush Wmn Schuhe für Damen.
Fakten
- Einsatzbereich: Trailrunning, Wandern, Freizeit
- Obermaterial: Polyester, Polyurethan, Natürliche und synthetische Textilien
- Futtermaterial: Polyester, Natürliche und synthetische Textilien
- Sohlenmaterial: Gummi, EVA, Interactive Kinetic System
- Sonstige Materialinfos: Sock-Fit System, keine Membran
- Verschluss: Schnürung
- Fußbett: herausnehmbare Einlegesohle
- Gewicht: 790 g (EU 42)
- Extras: verstärkte Zehenschutzkappe, Anziehschlaufen, extra Fersendämpfung

WIE MACHT SICH DER RUSH IM EINSATZ?

Den Rush habe ich Ende März 2020 noch vor seiner Einführung von OUTSIDEstories zum Testen erhalten. Ich hatte geplant ihn neben dem LOWA Inox Low GTX als zweiten Schuh für beim Megamarsch (100km / 24Std) von München nach Mittenwald zu verwenden. Leider ist der Megamarsch aus bekannte Gründen nun ausgefallen. Nichts desto trotz habe ich zumindest einige Trainingseinheiten auf unterschiedlichstem Gelände (Straße, Feldweg, Wald-Wege, kleine Berge und verwurzelte Waldböden) mit den Rush absolviert und ihn auch als gelegentlich als Laufschuh zum Joggen verwendet. In alpinem Gelände konnte ich ihn dank der vorherrschenden Reisebeschränkungen leider nicht testen.

Farblich ist der Rush für Männer in „Ocean“ oder „Black-Orange“ zu haben. Die Damenvariante gibt es in „Ceramic“ und „Black-Cherry“. Er sieht in meiner Variante „Ocean“ zwar nicht schlecht aus, aber ich mag knallige auffällige Farben einfach deutlich lieber. Das ist für mich aber ein altbekanntes Problem, dass mir die Farb-Variation der Damen-Versionen vieler Produkte einfach mehr zusagen. Ich werde aber wohl nie dahinter steigen, warum die coolen Styles nur für die Damen-Varianten zu haben sind. Schade eigentlich, denn die Farbe „Ceramic“ finde ich richtig gelungen.

Da ich keine Möglichkeit hatte vorher unterschiedliche Größen zu probieren, habe ich diese anhand der Größentabelle von Scarpa ermittelt. Mit einer Fußlänge von 28cm (schmaler Fuß) passt Gr. 45 sehr gut. Gleich beim ersten Anprobieren fand ich ihn sehr bequem und angenehm am Fuß.

Zum Laufen verwende ich normalerweise den Asics Gel-Kayano 26, den COLUMBIA Montrail Caldorado (Bewertung hier) oder meine geliebten Nike Free Run Natural, alternativ im Winter, wenn es dann doch mal glatt ist die Icebug DTS4 BUGrip (Bewertung hier) und hier hat sich für mich schon deutlich ein Unterschied gezeigt, was das Thema Gewicht betrifft. Der Nike wiegt lächerliche 253 g, man spürt eigentlich gar nicht, dass man überhaupt Gewicht am Fuß hat. Bei den andere mit 362 g, 368 g und 352 g (Kayano, IceBug und Caldorado) merkt man es zwar, aber es ist ok. Der Rush mit seinen 450 g ist in meinem Empfinden schon sehr deutlich bemerkbar am Fuß. Also als reiner Running Schuh würde er für mich nicht in Fragen kommen.

Aber als Cross-Trail liegt hier auch nicht sein Schwerpunkt. Verglichen mit meinen Wanderschuhen dem Inox mit 458 g und dem KEEN Venture WP Low (Bewertung hier) mit 502 g merkt man schon wo der Rush seine Gegenspieler hat. Er ist auch der leichteste unter ihnen. (Hinweis: Alle Schuhe einzeln in Gr. 45 gewogen)

Das Fußbett und das Tragegefühl fand ich von Beginn an sehr angenehm. Ich hatte jedoch auf den ersten längeren Megamarsch-Trainingstouren mit dem Rush am rechten Knöchel ab 10km aufwärts doch etwas unangenehme Probleme. Ich war jedes Mal froh, einen zweiten Schuh zum Wechseln dabei zu haben. Das Problem mit meinen sehr ausgeprägten Knöcheln macht sich sonst meistens eher bei Skischuhen und Inlinern bemerkbar. Interessanterweise hatte ich beim Rush nur am rechten Fuß das Problem, dass die Aussparung für den Knöchel nicht ganz passt und es mit der Zeit unangenehm drückt und reibt. Zum Glück hat sich das Thema aber mittlerweile nachdem der Schuh eingelaufen ist deutlich reduziert.

Das Tragegefühl und die Dämpfung empfinde ich auch auf langen Tour, auf welchen sich erst wirklich zeigt ob eine Schuh zu einem passt oder nicht, als gut. Über Blasenbildung an den Füßen konnte ich mit dem Rush bisher nicht klagen, ich habe in ihm schlicht noch keine bekommen.
Schade finde ich, dass er im nicht wasserdicht ist. Der Schuh selbst trocknet zwar schnell, Füße und Socken aber meist halt nicht. Da man bei langen Touren gerne auch mal eine Dusche abbekommen kann, wäre eine wasserdichte Membran sicher nicht die allerschlechteste Entscheidung gewesen. Ohne sollte man Wiesen mit Morgentau also besser meiden. (Laut Recherchen im Netz wird im Q3 2020 eine Gore-Variante auf den Markt gebracht.)

WAS STECKT HINTER DER MAKRE SCARPA?

Scarpa beschreibt seine historische Herkunft mit den Worten „Erstklassig aus Tradition“. 1938 gegründete Lord Cecil Iveagh in Asolo (Nord-Italien) eine Schuhmanufaktur, um den dort ansässigen Schuhmachern eine Arbeit bieten zu können. Kaum zu glauben, dass daraus bis heute eine international bekannte und geschätzte Größe im Outdoor-Sektor herangewachsen ist. 1956 übernahm Familie Parisotto die Zügel im Hause SCARPA. Scarpa ist ein ursprünglich berufsbezogener italienischer Familienname mit der Bedeutung „Schuhmacher“, abgeleitet von ital. scarpa (Schuh). Als eines der ersten Unternehmen erkannte man den Bedarf an Kletter- und Funktions-Schuhen in der wachsenden Kletterkultur. Ab 1965 wurden SCARPA Schuhe auch in die USA exportiert. Damit war der Grundstein als weltweit bekannter Brand gelegt. Heute steht die Marke nicht nur für anspruchsvolle Berg- und Kletterschuhe, sondern auch für hochqualitative Trekking-, Hiking-, Running- und schicke Lifestyle-Schuhe. Der Firmensitz der Scarpa Schuhe AG ist Basel in der Schweiz.
FAZIT?
Alles in allem ist der Rush ein sehr ordentlicher Schuh, jedoch muss man auch beachten, dass eher weder ein reiner Running-Schuh noch ein reiner Wanderschuh ist. Wer genau weiß in welcher Kategorie er sucht, wird hier sicher optimalere Modelle finden. Das bedeutet aber halt auch, dass man mehr als einen Schuh kaufen muss. Und demnach auch deutlich tiefer in die Tasche greifen muss. Der Rush ist für mich ein solider Partner, wenn man auf einen Schuh setzen möchte, der einen durch einen ganzen Tag draußen begleitet und in jeder Aktivität eine ordentliche Figur macht. Der Rush fühlt sich auch nach mehreren Kilometern noch gut belüftet und angenehm gedämpft an. Egal ob man lange Wanderungen unternimmt, oder zwischen durch auch einfach mal das Tempo deutlich erhöht. Genug der Worte, es ist Zeit für die nächste „Rush“-Hour, #wirsehenunsdraussen…











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